Aus der Sicht eines Mannes:

Als Men’s Health – Leser ist man(n) ja bereits ein wenig sensibilisiert für das Thema „Männer und Kosmetik“. Hier mal ne Creme, dort mal ein Gesichtswasser, und beim Thema Rasur sind wir ja sowieso Profis. Umso härter traf es mich kürzlich beim Blättern in einem Sonderheft zum Thema Beauty. „Augencreme empfehlen wir allen Männern, spätestens ab einem Alter von 25-30 Jahren.“ Schluck! Bei mir ist die magische 3 bereits vorndran und meine Haut hatte noch niemals Kontakt mit einem solchen Wundermittelchen. Also ab in den nächsten dm-Markt, um das Problem zu beheben.

Nach zwei erfolglosen Runden durch den kompletten Markt (nein, Männer fragen auch hier nicht nach dem Weg!), ging ich nochmal von vorn mit System an die Sache ran. Der einzige Bereich, in dem explizit Männersachen hübsch aufgereiht waren, waren die 3 Regalmeter mit Rasurzubehör. Und tatsächlich, im untersten Fach, zwischen Knöchel- und Kniehöhe eines stehenden Mannes, waren Männerpflegeartikel zu finden. Während ich nun versuchte, auf Knien rutschend das Produkt meiner Wahl zu finden, entgingen mir keineswegs die teils schmunzelnden, teils selbstzufriedenen und sogar teils mitleidigen Blicke der einkaufenden Damen, zu deren Füßen ich nun die Augencremes sichtete. Ich bin mir mittlerweile ziemlich sicher, dass Drogeriemärkte von dominanten Frauen geplant werden….

Es wurde dann die L’Oréal Paris Men Expert Hydra Energy Vita Lift Augen Lifting Doppelpflege, kurz LOPMEHEVLALDoPF (15ml, 12,95 Euro) ….wer denkt sich solche Produktnamen aus? In der silber-orangefarbenen Packung findet der neugierige Anwender ein schickes Doppelhub-Pump-Dings, aus dem mit jedem Pumpvorgang zwei Cremes (einmal orange, einmal weiß) entnommen werden. Die werden dann in der Handfläche zu einer farblosen Matsche verrührt (warum mischt man die dann nicht von Vornherein? Vermutlich weil dann das meditative Fingerkreisen entfallen würde).

Mit sanften Bewegungen wir der Creme-Mischmasch dann auf die dünne Haut unter den Augen aufgetragen, wobei man auch hier viel falsch machen kann, wie ich schnell von meiner besseren Hälfte lernte. AUF KEINEN FALL (!!!) mit einem anderen Finger, als dem Ringfinger auftragen, da man(n) sonst zuviel Kraft ausübt. Aha. Also gut. Wir Männer nehmen solche Hinweise sehr dankbar von den deutlich erfahreneren Frauen entgegen, und halten uns dann penibel daran.

Nach einigen Wochen wage ich es jetzt, über erste Ergebnisse zu berichten:
Eins vorweg: Bevor ich diese Creme benutzte, wusste ich garnicht, dass ich klitzekleine Fältchen unter den Augen habe, und war trotzdem ein zufriedener und glücklicher Mensch. Nun bin ich mir der Fältchen bewusst und werde tüchtig Geld ausgeben, um ein weiteres Verknittern meiner zarten Augenpartie längstmöglich hinauszuzögern.

Die Creme erfrischt das Gesicht sehr angenehm und die straffende Wirkung ist tatsächlich vom ersten Moment spürbar. Und auch sichtbar. Tatsächlich verschwinden kurz nach dem Auftragen die kleinen Fältchen, bzw. wirken deutlich geglättet. Allerdings wirkt der Effekt nur, wenn die Creme regelmäßig aufgetragen wird (vermutlich ähnlich dem ganze Anti-Cellulitis-Produktportfolio oder den straffenden Sixpack-Cremes für Männer – ja, solchen Quatsch gibt’s auch).

Nicht zu unterschätze ist außerdem der meditative Effekt des Fingerkreisens beim Vermischen der beiden Cremes, und das befriedigende Gefühl, seinem Gesicht etwas Gutes getan zu haben. Ich
werde diese Creme jedenfalls weiterverwenden, und wenn es nur deswegen ist, um die Falten, derer ich mir erst seit Benutzen der Creme überhaupt bewusst bin, im Zaum zu halten.

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